Jooth, der Troll

Mein Name ist Jooth. Jooth, der Troll. Ich wurde 792 n.Ch. in der Region von Glendalough, Irland geboren. Meine Heimat war dieser Zeit stark umkämpft von dänischen, norwegischen und sächsischen Eroberern, die es auf das Gold und die Reichtümer unserer ansässigen Klöster abgesehen hatten.

Insgesamt war mein Leben bis dahin beschaulich verlaufen, der Christusglaube war zwar seit einigen Generationen bereits etabliert, aber wie es die Art meines Volkes ist, hat sich dadurch nicht allzu viel verändert. Streitigkeiten über Reichtum und Ländereien entbrannten regelmäßig unter den Fürsten, unabhängig welcher Gott ihnen zur Seite stand. Die alten Bräuche wurden wie gewohnt weitergelebt und die Klostermönche sorgten für Zeremonien und Ordnung wie ihre druidischen Vorfahren es vor ihnen getan hatten. Ich und meine Familie ernährten uns vom reichlichen Fischfang der Küste und ich verdingte mich nebenbei als Brückenwart, was mir schnell den Beinamen ,,Troll‘‘ einbrachte. Das und mein Aussehen.

Als sich nun die Angriffe häuften und auch unsere kleine Küstensiedlung immer häufiger von nordischen Fremden besucht wurde, mussten wir darüber nachdenken, wie mit der neuen Situation zu verfahren sei. Eine kleine raufwütige Truppe Danen überfiel eine unserer Nachbarsiedlungen, die einem gegnerischen Fürsten gehörte und versklavte die Bevölkerung. Sklavenhandel war bei uns und bei den Fremden ein lukrativer Markt und so waren wir beruhigt, als sie mit ihrer Beute bei uns nur ausruhen und nächtigen wollten und nicht mit meiner Sippe dasselbe zu tuen gedachten. Ich sprach viel mit ihnen. Ihr Anführer hieß Grimm und sie erzählten und prahlten von ihren Abenteuern, die sie auf der langen Fahrt hierher erlebt hatten. Zum ersten Mal in meinem Leben packte mich der Wunsch mich ebenfalls in der Welt umzusehen und tatsächlich boten sie mir an zur Sicherung ,,der Ware‘‘ mit über das Meer zu kommen. Da die Zeiten ungewiss waren und meine Brücke vielleicht in einem Jahr eh nicht mehr stünde, nahm ich ihr Angebot an.

Die lange Reise endete für uns schließlich in Haithabu, einem dänischen Umschlagplatz, eben auch für Sklaven. Wir erledigten gerade unsere Geschäfte auf dem Marktplatz als Grimm einen alten Bekannten traf. Ein lauter Sachse namens Marcas, der mit seiner Truppe ebenfalls am Marktgeschehen teilnehmen wollte. Abends saßen die beiden Anführer beieinander und polterten sich zunehmend lauter werdend an. Ich dachte mir nichts dabei, solche Auseinandersetzungen fanden häufig mit Grimm statt. Dieser Marcas jedoch reizte ihn bis aufs Blut und ihre Bemerkungen wurden zunehmend bissiger. ,,Achja?! Wenigstens stehen meine Leute mir loyal zur Seite! Du bist zu geizig, Grimm, damit stehst du eines Tages noch alleine da!‘‘, prustete Marcas und Grimm verzog das Gesicht. ,,So, meinst du… Meine Leute stehen mir immer treu zur Seite. Denen geht es um das Land und das danische Blut in ihren Adern. Davon versteht so ein Sachse nichts.‘‘ Ein gefährliches Funkeln stahl sich in Marcas Augen und er lehnte sich vor. ,,Nun, das werden wir sehen.‘‘ Er griff an seinen Gürtel und schüttelte ein großes Bündel Hacksilber, sah dabei jeden von Grimms Männern an und sprach:,, Wer will sich bei mir was dazu verdienen? So ein praller Beutel erwartet Jeden, der seine Klinge für mich schwingt.‘‘ Grimms Leute schauten verwirrt zu ihrem Anführer, aber mich hatte Marcas überzeugt. Ich war immerhin in die Welt gezogen, um mein Glück zu machen und danisches Blut besaß ich auch keins. Ich war mir ohnehin unsicher gewesen, wie meine Aufgaben nach beendigtem Geschäft ab jetzt aussehen sollten und so stand ich auf, ging zu Marcas und sagte: ,,Ich bin dein Mann, wenn du zudem stehst was du versprichst.‘‘ Marcas grinste über beide Ohren, während ich flammende Blicke im Rücken spürte. ,, Woran glaubst du, Bursche?‘‘, fragte der Sachse mich wachsam. ,, An alles was du willst, Marcas. Habt ihr einen Gott des Meeres?‘‘, stellte ich eine Gegenfrage. Er schien überrascht. ,,Öh, nun.. ja. Njörd wacht über das ruhige Meer und die Fische.‘‘ ,,Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.‘‘, erwiderte ich schlicht und Marcas grinste. ,,So sei es denn, dann lass mich dich den Wölfen vorstellen. Wie ist dein Name?‘‘

,,Jooth. Jooth, der Troll.‘‘

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